Wie fotografiert man Gewitter?

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Foto: Überlagerung der Aufnahmen vom 30.05.2005

Um Fotos von Gewittern und Blitzen zu machen, sollte man einige Dinge beachten.

  1. Dinge die man braucht
  2. Der richtige Standort
  3. Die Aufnahme
    Einstellempfehlung
  4. Hinweise zur Sicherheit

 

Dinge die man braucht

  • ein stabiles Stativ - ohne geht es nicht (zumindest braucht man eine feste Unterlage die nicht wackelt)
  • Fotoapperat, den man manuell einstellen kann (Langzeitbelichtung, Blende, Fokus, wenn möglich Fernauslöser oder Auslöseverzögerung)
  • eine Art von Regenschutz - Ich packe meine Kamera in eine durchsichtige Plastiktüte ein, damit sie nicht naß wird. Man kann so auch alle Bedienelemente erreichen. Mit Klebeband kann man die Tüte fixieren, ein Loch für das Objektiv sollte man natürlich auch hineinschneiden.
  • eine Taschenlampe kann recht hilfreich sein, da man sich oft ausserhalb jeglicher Zivilisation in der Dunkelheit befindet
  • ein Auto ist sehr von Vorteil:
    1. man kann zum Gewitter, bzw. besser vor dem Gewitter weg fahren (wenn es breits regnet, ist es schon zu nah und die Ausbeute sinkt)
    2. man hat ein gewisses Maß von Schutz! (siehe dazu auch Hinweise zur Sicherheit )

Um Gewitter zu fotografieren, muss man als erstes Wissen, ob, wann und wo sich ein Gewitter bildet. Dabei helfen Wetterdienste die man im Internet findet:

DWD - Warnsituation - Hier gibt der Deutsche Wetterdienst Warnungen für alle Regionen Deutschlands heraus.

WetterOnline - Radar - Das Regenradar von WetterOnline, dort wo starker oder sehr Starker Regen zu sehen ist, kann bei entsprechner Wetterlage mit Gewittern gerechnet werden; in der "Loop" kann man die Zugrichtung erkennen und abschätzen wo ein guter Standpunkt für Aufnahmen ist.

T-Online - Niederschlagsradar - Ein deutlich größeres Regenradar bietet T-Online. Die Gesamte Grafik ist animiert und man bekommt eine recht genaue Ansicht der Niederschläge in ganz Deutschland.

Niederschlagsradar Berlin - Für die Umgebung von Berlin auch noch ein Regenradar.

BLIDS - Blitzinformationsdienst von Siemens - Diese Seite stellt die Gewitter der letzten Stunde (alle mit mehr als 10 Einzelblitzen) und deren Zugrichtung und Aktivitätsänderung (zunehmend, gleichbleibend, abnehmend) dar. In Verbindung mit dem Regenradar, kann man abschätzen, ob es sich lohnt und wohin man fahren sollte.

Eine aktuelle Auflistung von Webseiten, Tools und Infoquellen gibt es hier.

Der Richtige Standort

Es ist am besten, wenn man sich in einiger Entfernung vor einem Gewitter befindet. So hat man die Chance viele Blitze auf eine Aufnahme zu bannen. Wenn es bereits Regnet ist das Gewitter meist schon zu nah, so das man die Kamera auf gut Glück ausrichten muss. Man kann sich in solchem Fall besser einer anderen Gewitterzelle widmen, die vielleicht am Horizont zu sehen ist.
Befindet man sich hinter einem Gewitter, wird man meist nur die Regenfront sehen, welche die meisten Blitze verdeckt, bzw. kann das Gewitter schon deutlich an Kraft verlohren haben.
Natürlich ist es am besten, wenn man freien Blick auf den Horizont hat, ein Feldweg bietet sich an.

 

Die Aufnahme

Nachdem ein geeigneter Standort gewählt wurde und die Kamera in Richtung der meisten Blitze ausgerichtet ist, kann es losgehen.
Den Fokus der Kamera auf unendlich stellen oder ein Objekt am Horizont anfokussieren (einige Kameras lassen sich über den eigentlichen Unendlich-Punkt hinausstellen, was zu etwas unscharfen Aufnahmen führen kann) und diese Einstellung speichern.
Da ein Blitz nur Bruchteile von Sekunden zu sehen ist, muss man für erfolgreiche Fotos eine Langzeitbelichtungen anwenden. Die Belichtungszeit der Kamera sollte so lang wie Möglich gewählt werden, um so viele Blitze wie möglich zu erwischen.
Helles Umgebungslicht würde die Aufnahmen überstrahlen, es ist am besten in der Nacht zu fotografieren. In der Dämmerung oder gar am Tage ist das Fotografieren von Blitzen nur eingeschränkt möglich (aber wenn man Glück hat, erwischt man auf einigen hundert Fotos auch einen Blitz).
Die Blende muss an die Umgebungshelligkeit angepasst werden. Bei Digitalkameras kann man leicht die Aufnahme überprüfen und anpassen. Wird eine analoge Filmkamera verwendet, muss man nach Gefühl gehen. Blende 8 bis 11 bei ISO 100 sollte in der Nacht gut funktionieren.
Kann man mehrere Minuten belichten, empfielt es sich in Blitzpausen das Objektiv mit einem dunklen Tuch (oder der Hand) abzudecken, damit weniger Umgebungshelligkeit (Ortschaften, Mondlicht etc.) die Aufnahme aufhellt. Man bekommt während des Gewitters ein Gefühl dafür, wann eine Pause einsetzt und keine Blitze zu sehen sind.

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Einstell-Empfehlung allgemein:

Fokus
unendlich
Filmemfindlichkeit so gering wie möglich
Belichtungszeit so lange wie möglich (einige Sekunden bis zu 5min)
Blende an die Umgebung anpassen
Belichtungseinstellungen meiner Bilder auf der Seite:

Analog ISO 400 (hatte damals leider keinen anderen Film), Blende 16, zwischen 2 und 5 Minuten belichtet

Digital ISO 50, Blende 2.8 bis 8 bei max. möglichen 15 sec Belichtungszeit

 

Hinweise zur Sicherheit

Vorsicht Hochspannung!

Pro Jahr werden etwa 7 Menschen in Deutschland vom Blitz getötet. Aber nicht nur der Tod ist eine Folge, die durch Blitzschlag eintreten kann: Schädigungen des Herzen, Nervensystems, Hirnschäden, Schlaf-, Gedächtnisstörungen, Verbrennungen, innere Blutungen, Taubheit, oder Erblindung können ebenso auftreten. Die Gefahr sollte man also keines Falls unterschätzen!

  • Gewitter Entfernung messen
    Sieht man einen Blitz, empfielt es sich die Zeit bis zum Donner zu messen (von 21 beginnend zählen). In der Sekunde legt der Schall etwa 330m zurück. Multipliziert man die Zeit mit 3, bekommt man also die ungefähre Entfernung in 100m zurück. Man kann natürlich auch die gezählten Sekunden durch 3 teilen um die Entfernung in Kilometern zu bekommen.
    Bei unter 5km wird es ernsthaft gefährlich und man sollte besser Schutz im Auto suchen. Das Auto funktioniert als faradayscher Käfig, so daß die Energie eines eventuellen Blitzschlags über die Karosserie in den Boden geleitet wird. Im Inneren ist man vor dem Strom relativ sicher. Allerdings kann auch der Donner zu Verletzungen des Trommelfells führen oder die Netzhaut durch das grelle Licht eines Blitzes beschädigt werden.
  • Persönliche Erfahrung
    Bei der Aufnahme dieses Bildes stand ich am offenen Fenster, als ich plötzlich ein eindeutig von draussen kommendes, hallendes und sehr lautes "Knacken" (ähnlich dem Geräusch, das eine Influenzmaschine im Physikunterricht macht) hörte. Den Bruchteil einer Sekunde danach war plötzlich alles Weiß, ich war derart geblendet, daß ich nichts mehr erkennen konnte. Unmittelbar darauf (~ eine halbe Sekunde) kam auch schon der Donner, zwar laut aber auch nicht extrem laut.
    Auf dem Bild sieht man oben rechts einen Teil dieses Blitzes, der in unmittelbarer Nähe eingeschlagen sein muss. Im Nachhinein war ich dann recht froh darüber nichts "abbekommen" zu haben. Das laute "Knacken" war vermutlich der Fangblitz, welcher der Hauptentladung vorraus ging.
    (Der Blitz in der Bildmitte kam erst einige Zeit später und war sehr viel weiter entfernt)
  • Blitze, die von der Oberseite einer Gewitterwolke in den Boden einschlagen ("Positiver Blitz", seltener als normale "Wolke zu Wolke"- oder "Wolkenunterseite zu Boden"-Blitze) sind deutlich stärker als normale Blitze und können mehrere Kilometer vom eigentlichen Unwetter einschlagen. Man sollte also auch in einiger Entfernung vom Gewitter keine erhabene Position aufsuchen.
  • Immer wieder muß gesagt werden: Bäume (egal welcher Art) bieten keinen Schutz, sondern stellen eine Gefahr dar! Der Blitz sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes zum Boden. Da der Baum ansich mit seinen feuchten Ästen besser leitet als Luft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blitz in den Baum einschlägt deutlich höher. Dies gilt ebenso für Menschen und metallische Gegenstände (Regenschirme, Stativ). Falls man nicht vom Blitz, der in einen Baum einschlägt direkt getroffen wird, kann man von den explosionsartig abgesprengten Baumrinden und Faserstücken verletzt werden oder von abbrechenden Ästen erschlagen werden.
  • Hat man kein Auto oder Haus zur Verfügung, in dem man Schutz suchen kann, gilt es sich selbst und die Fläche des Körpers, die den Boden berührt so klein wie Möglich zu machen. Dies funktioniert am besten, indem man sich mit zusammengepressten Beinen hinhockt. Schlägt ein Blitz in unmittelbarer Nähe ein, steht auch der Boden im Umfleld unter großer Spannung. Würde man liegen oder breitbeinig stehen, könnte einer starker Strom durch das eine Bein herein, durch den Körper und durch das andere Bein wieder heraus fliessen. (Ich habe es mir angewöhnt immer mit zusammengepressten Füßen zu stehen, wenn ich Gewitterfotos mache)

    Weitere Informationen über die Auswirkungen von Blitzen auf den Menschen: Human Voltage (Nasa)


Links zum Thema Blitze:
Wikipedia: Blitz
Interessante Fragen zu Blitzen

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